Lobby Blog
Freitag, April 29, 2005
  Manager mit Lobby-Arbeit zufrieden
Die meisten deutschen Top-Manager sind mit der Lobby-Arbeit ihrer Wirtschaftsverbände in Brüssel zufrieden. Das zeigt der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor, eine repräsentative Umfrage des Psephos-Instituts unter 869 Führungskräften im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

Die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft messen den Aktivitäten ihrer Verbände auf der europäischen Bühne eine hohe Bedeutung bei. Besonders wichtig ist den Managern, dass die Interessenvertreter mögliche negative Folgen von EU-Regulierungen für die Wirtschaft abwehren.
 
Donnerstag, April 28, 2005
  Lobbying oder Wahlkampf
Eine Anzeigenkampagne der Deutschen Steinkohle AG sorgt in diesen Tagen für Gesprächstoff. Prominente, wie der Sänger Marius Müller-Westernhagen oder der Fußballtrainer Otto Rehhagel machen in Zeitungsanzeigen Werbung für Förderung von Steinkohle in Deutschland.

Der Deutsche Bundestag und besonders die CDU-Opposition wittern hier zweierlei: Entweder Lobbying oder Wahlkampfhilfe. Beides wäre sehr problematisch.

Die deutsche Steinkohle lebt schon seit Jahrzehnten von Subventionen. Der Deutsche Steuerzahler stützt die Kohleförderung im eigenen Land mit Millionenbeträgen. Ohne die Subventionierung wäre eine Förderung nicht ökonomisch und müsste eingestellt werden. Daher verwundert es nicht, dass die beteiligten Unternehmen Lobbyarbeit betreiben, um auch weiterhin die Förderung zu bekommen. Die Opposition im Deutschen Bundestag will nun klären, ob die Kampagne mit Subventionsgeldern bezahlt wurde. Zunächst soll sich der zuständige Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit damit befassen.

Die Anzeigenkampagne könnte aber auch eine Wahlkampfhilfe darstellen. Am 22. Mai wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Die Förderung der Steinkohle findet im Wesentlichen in eben diesem Bundesland statt. Die regierende SPD bangt um ihre Mehrheit im Landesparlament.

Interessant ist dabei, wer hinter der Anzeigenkampagne steht. Initiator ist die Deutsche Steinkohle AG (DSK). Bei ihr sind sämtliche Aktivitäten des heimischen Steinkohlenbergbaus gebündelt. Die DSK gehört zum RAG AG Konzern. Vorsitzender der RAG ist der frühere rot-grüne Wirtschaftsminister Dr. Werner Müller. Leistet er in seinem neuen Job seinen alten Freunden Wahlkampfhilfe? 100-prozentige Tochtergesellschaft der RAG ist der STEAG-Konzern. Sein Vorsitzender ist der frühere Staatssekretär im rot-grünen Bundesministerium für Wirtschaft, Dr. Alfred Tacke. Wie steht es mit ihm und seinen früheren Mitstreitern?

Es muss geklärt werden, was die Kampagne gekostet hat und woher das Geld stammt. Der Verdacht, dass die Werbung aus Subventionsgeldern finanziert wurde, muss untersucht werden.
 
Mittwoch, April 27, 2005
  Soziallobby mit neuem Gesicht
Der stellvertretende CSU-Chef Horst Seehofer ist zum Vorsitzenden des Sozialverbandes VdK in Bayern gewählt worden. Seehofer erklärte, er werde sich als VdK-Vorsitzender dafür einsetzen, dass sich der Sozialstaat nicht zu einem reinen Fürsorgestaat entwickle, der die Bürger zu Bittstellern mache. Sozialabbau schaffe weder Arbeitsplätze noch trage er zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme bei.

Seehofer war im November als stellvertretender Unionsfraktionschef zurückgetreten, nachdem er zuvor heftige Kritik an dem von CDU und CSU ausgehandelten Gesundheitskompromiss geäußert hatte. Seehofer werden auch gute Chancen auf die Nachfolge des VdK-Bundesvorsitzenden Walter Hirrlinger eingeräumt, der 2006 abtritt. Damit könnte der CSU-Politiker zum Chef der mächtigsten Soziallobby Deutschlands aufsteigen, da die beiden großen Sozialverbände VdK und SoVD fusionieren wollen. Seehofer ist seit 25 Jahren Mitglied im VdK.
 
Dienstag, April 26, 2005
  Gute Lobbyarbeit der Kammern
Die Zwangsmitgliedschaft von Unternehmen in den Industrie- und Handelskammern wird auch in Zukunft bestehen bleiben. Das hat Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) in einem Gespräch mit dem DIHK-Präsidenten Georg Ludwig Braun vereinbart.

Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) mit ihrer Dachorganisation dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), vertreten als eigenverantwortliche öffentlich-rechtliche Körperschaften das Interesse ihrer zugehörigen Unternehmen gegenüber Kommunen, Landesregierungen und regionalen staatlichen Stellen.

Die Arbeitsgruppe für Wirtschaft und Arbeit der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag wollte dies ändern und arbeitete an einem Gesetzentwurf, der nach der Sommerpause ins Parlament gehen sollte. Danach sollten die Kammern in privat organisierte Vereine überführt werden. Sie dürften dann keine Zwangsbeiträge erheben, sondern nur noch Gebühren für erbrachte Dienstleistungen.

Damit haben sich die Kammern als hervorragende Lobbyisten erwiesen. Sie haben es geschafft, ein Gesetz noch vor dessen Entstehung zu begraben. Der Hintergrund für das Festhalten an den Zwangsabgaben ist einleuchtend. In wirtschaftlich schlechten Zeiten sparen die Unternehmen an allen Ecken und Enden. Nach Aufhebung der Zwangsmitgliedschaft wäre es voraussichtlich zu einem massenhaften Austreten von Firmen aus den Kammern gekommen.
 
Montag, April 25, 2005
  Master of Public Affairs
Das Deutsche Institut für Public Affairs bietet deutschlandweit den ersten Master of Public Affairs an.

Der Lehrgang will politische Kommunikation, Politikmanagement, Interessenrepräsentation und Lobbying vermitteln. Die Teilnehmer belegen einen Zertifikats-Einführungskurs und wählen dann zwei weitere Module aus dem Angebot des MPA-Studiengangs. Zum Start des Programms bietet das Institut, das als gemeinnützige GmbH firmiert, von August bis Dezember 2005 die Module "Interessenrepräsentation" und "Strategie und Führung" an.

Die Dozenten kommen aus Politik, Unternehmen, Verbänden, Nonprofit-Organisationen, Agenturen, Kanzleien, Beratungsgesellschaften, Medien und Wissenschaft. Das akademische Programm findet in Potsdam oder Berlin statt und schließt mit Prüfungen ab. Die erfolgreichen Teilnehmer bekommen ein Zertifikat.

Das Deutsche Institut für Public Affairs wurde im März vergangenen Jahres in Potsdam als gemeinnützige GmbH gegründet. Es finanziert sich neben den Einnahmen aus Studien- und Seminargebühren auch durch Spenden namhafter Wirtschaftsunternehmen und Agenturen.
 
Freitag, April 22, 2005
  Neuzugang beim Lobbyteam von Vattenfall
Der Politikwissenschaftler Dirk Schröter hat kürzlich in der Abteilung Politik und Gesellschaft des Energiekonzern Vattenfall Europe AG angefangen. Er ist dort für die Bundesländer und den Bundesrat zuständig. Damit verstärkt er das Team um Rainer Knauber. Praktische Erfahrungen sammelte Schröter vorher unter anderem bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Washington D.C. und beim Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten.
 
Donnerstag, April 21, 2005
  Lobbying für Mitbestimmung
Sachsens früherer Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) wird im Auftrag der rot-grünen Bundesregierung eine Kommission zur Mitbestimmung
leiten. Das Gremium soll sich der Frage widmen, wie das bewährte System der deutschen Mitbestimmung und der Arbeitnehmerbeteiligung im Betrieb bewahrt und im zusammengewachsenen Europa gesichert werden kann.

Schon im Vorfeld der Kommission wird massives Lobbying für und gegen die Mitbestimmung betrieben. Auf der einen Seite machen die Gewerkschaften mobil zur Verteidigung der Mitbestimmung. "Vor Start der Kommission will jeder seine Positionen festzurren", heißt es dort. Die IG Metall hat alle Aufsichtsratsvorsitzenden ihrer Branche aufgefordert, sich von Plänen der Dachverbände der Wirtschaft zur Einschränkung der Mitbestimmung zu distanzieren. "Demokratische Prinzipien dürfen nicht vor Werkstoren Halt machen", heißt es in einem Appell. Zur Verstärkung wurde auch die die PR-Agentur Porter-Novelli hinzugezogen.

Auf der anderen Seite fordern Wirtschaft und Arbeitgeber Reformen. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft wurde sofort seinerseits aktiv und veröffentlichte einen internationalen Vergleich. Ausländische Unternehmen könnten sich in Deutschland niederlassen, ohne den hiesigen Mitbestimmungsregeln unterworfen zu sein, erklärten die Ökonomen. Dadurch hätten einheimische Firmen einen Wettbewerbsnachteil.

CDU und FDP drohen im Falle eines Sieges bei der Bundestagswahl 2006, die Mitbestimmung einzuschränken.
 
Mittwoch, April 20, 2005
  US Strafverfolgung wegen Lobbying
Die strafrechtlichen Bestimmungen beim Lobbying in den USA werden immer drastischer. Siehe hierzu den Blogbeitrag vom 5. April 2005. Unter Präsident Clinton wurden die Offenlegungspflichten für Lobbyisten verschärft. Seit 1998 wurde allerdings vom Kongress die Einhaltung der Meldepflichten nicht mehr gründlich geprüft. So kommt das Center for Public Integrity mit seiner neuen Studie zum Ergebnis, dass 49 von 50 Lobby-Großunternehmen die Meldepflichten nach dem Lobbying Disclosure Act teilweise ignorieren oder missachten. Im selben Zeitraum belief sich der Lobby-Umsatz allein bei der Bundesregierung auf $13 Milliarden Dollar.

Der laxe Trend beruht teilweise auf der minimalen Personalbesetzung im Kongress: Nur knapp 50 Stellen sind für die Verwaltung, Durchsetzung und Verfolgung im Hinblick auf dieses Gesetz zuständig. Die Bundeswahlkommission, die vergleichbare Aufgaben in Bezug auf eine Meldepflicht behandelt, besitzt hingegen einen Haushalt von $52 Millionen und kann sich unzählige Experten leisten.

Als Lobbyist sollte man sich aber hüten, die Meldepflichten zu unterlaufen. Denn irgendwann zeigt der Staat die Zähne und verfolgt Verfehlungen bedingungslos. Ein solches Vorgehen konnte man die Tage mit den Massenfestnahmen in den USA verfolgen. In einer der größten Polizeiaktionen in der Geschichte der USA hatten etwa 3.100 Beamte und Vertreter von 25 verschiedenen Bundesbehörden in nur einer Woche mehr als 10.000 Straftäter festgenommen. Dabei handelte es sich, nach Angabe von Justizminister Alberto Gonzales, um flüchtige oder bereits verurteilte Verbrecher. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch minder schwere Delikte, wie ein Verstoß gegen den Lobbying Disclosure Act, in Zukunft intensiv verfolgt werden.

Lesen Sie hierzu bitte auch die Beiträge des deutsch-amerikanischen Rechtsanwalts Clemens Kochinke in Washington, Strafverfolgung wegen Lobby und Transparenz der Lobby.
 
Dienstag, April 19, 2005
  Governmental Relations bei PRGS
Stefanie Piëcha fängt als Consultant für den Bereich Governmental Relations bei PUBLIC RELATIO Governmental Solutions an. Die Diplom-Politologin arbeitete zuvor unter anderem als wissenschaftliche Mitarbeiterin für den außenpolitischen Sprecher einer Bundestagsfraktion und später als Länderreferentin für Israel und Jordanien im Auswärtigen Amt.
 
Montag, April 18, 2005
  Exklusive Lobbyisten-Zirkel
Die Zahl der Lobbyisten hat sich durch den Regierungsumzug von Bonn nach Berlin stark erhöht. Allein die Zahl der beim Bundestag eingetragenen Lobbyverbände hat inzwischen die Rekordmarke von mehr als 1.500 überschritten.

Die große Zahl macht es den einzelnen Lobbyisten immer schwerer, sich Gehör zu verschaffen und zu den Entscheidungsträgern vorzustoßen.

Aus diesem Grunde habe sich exklusive Lobbyisten-Zirkel aus mehren Firmen gebildet, um Kräfte zu bündeln. Ein einflussreicher Kreis ist der so genannte Adlerkreis.

Vorsitzender ist Hansgeorg Hauser von der Commerzbank. Seine Stellvertreter sind Wolf-Dieter Zumpfort von der TUI AG und Gert von der Groeben von der Eon AG.

Aber auch andere vergleichbare Einrichtungen haben sich in Berlin einen Namen gemacht. So zum Beispiel der Wirtschaftspolitische Kreis, der Montagskreis, der Dienstagskreis, der Dreißiger-Multiplikatoren-Kreis oder das Forum Junge Lobby Berlin.

Wer bei solchen Zusammentreffen den Ton angibt, ist jedenfalls aus Sicht der Lobbyisten klar. "Wen wir einladen, vorzutragen", sagt mit großem Selbstbewusstsein der TUI-Vertreter Zumpfort, "der kommt."

Lesen Sie hierzu bitte auch den Artikel in der "Zeit".
 
Freitag, April 15, 2005
  Lobbying im Wahlkreis
Viele kleine Verbände gehen in der großen Lobbyflut Berlins unter. Daher versuchen sie verstärkt, die Abgeordneten über deren Wahlkreise zu erreichen.
Sie wenden sich aber nicht direkt an die Volksvertreter, sondern mobilisieren ihre Mitgliedsfirmen vor Ort. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, dass für den Abgeordneten der Wahlkreis eine sehr hohe Priorität hat. Schließlich will der Parlamentarier bei der nächsten Wahl wieder direkt als Kandidat seines Heimatkreises aufgestellt werden. Daher pflegt er den Kontakt zu der Wirtschaft, den Vereinen und Verbänden. Ein weiterer Vorteil eines solchen Lobbyings ist, dass die Unternehmen vor Ort die spezifischen Probleme besser kennen.

Für das Lobbying im Wahlkreis gibt es aber auch einige Regeln. So darf der Verband, der hinter einer Firma steht, nie in Erscheinung treten. Er darf auch nicht als Aufpasser zu Terminen mitgehen. Gleichwohl muss er aber die Firmenchefs gut vorbereiten. Denn viele kennen den politischen Betrieb und die gesamte Atmosphäre nicht. Den Unternehmern muss also klar gemacht werden, was sie erwartet. Eine kurze Besuchsanleitung und eine Checkliste müssen konzipiert werden. Es schadet auch nicht, einen Sprechzettel mit den wichtigsten Themen vorzubereiten.

Ein guter Verband zeichnet sich darüber hinaus aus, dass er ein Treffen zwischen Unternehmen und Politiker nicht nur vorbereitet, sondern auch nachbereitet. Es ist zum Beispiel gut, wenn über das Treffen etwas in der Zeitung steht. Bei der Textformulierung sollte der Verband behilflich sein. Auch sollte der Kontakt zum Abgeordneten gehalten werden. Hierzu eignet sich die Versorgung mit Informationen. Der Abgeordnete kann auch gebeten werden, für das Unternehmen aktiv zu werden. Er hat die Möglichkeit, schriftliche Fragen an die Bundesregierung zu stellen. Hier kann der Verband über sein Mitgliedsunternehmen ausformulierte Fragen an den Volksvertreter leiten.
 
Donnerstag, April 14, 2005
  Neue Public Affairs Beraterinnen
Neuzugänge bei der Berliner Agentur Johanssen + Kretschmer: Karin Trautbeck-Kim und Christiane Weihe unterstützen ab sofort als Beraterinnen den Bereich Public Affairs. Trautbeck-Kim sammelte Agenturerfahrungen bei Burson-Marsteller und Media Consulta und arbeitete außerdem im Büro von Rita Süssmuth. Ihre Kollegin Weihe ist studierte Kommunikationswissenschaftlerin und war unter anderem für zwei Berliner Anwaltskanzleien tätig.
 
Mittwoch, April 13, 2005
  Vom Bundestag zur Agentur
Seit Monatsbeginn ergänzt Ulrike Gregor das Public-Affairs-Team von Hill & Knowlton Berlin. Die Juniorberaterin leitete zuvor das Büro des Bundestagabgeordneten Dr. Ole Schröder. Gregor bringt auch "europäische" Erfahrungen aus ihrer früheren Tätigkeit in der Kommunikationsabteilung der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland mit.
 
Dienstag, April 12, 2005
  Adenauer wird Lobbyist
Einstimmig hat der Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer (ASU) Dr. Patrick Adenauer als neuen Präsidenten vorgeschlagen. Die Wahl findet im Rahmen der ASU-Mitgliederversammlung am 29. April in Leipzig statt.

Adenauer wurde 1960 in Köln geboren und führt zusammen mit seinem Bruder als geschäftsführender Gesellschafter das Unternehmen Bauwens mit Stammsitz in Köln. Das Unternehmen ist im Bereich Konzeption, Bau und Entwicklung von Wohn- und Geschäftsimmobilien tätig.

Der Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers wird die Nachfolge von Max Schön antreten. Schön ist seit 2001 ASU-Präsident und wird nicht wieder für das Amt kandidieren.
 
Montag, April 11, 2005
  Vorsprung der Lobbyisten
Nach Artikel 76 des Grundgesetzes werden Bundesgesetze vom Bundestag beschlossen. Bis es soweit ist, legt ein Gesetzentwurf aber einen langen Weg zurück. Die meisten Entwürfe kommen erfahrungsgemäß von der Bundesregierung. Gemäß Artikel 77 unserer Verfassung sind Vorlagen der Bundesregierung zunächst dem Bundesrat zuzuleiten. Zusammen mit der Stellungnahme des Bundesrates geht dann der Gesetzentwurf an den Bundestag.

In der Vergangenheit ist aber der Brauch entstanden, dass die Entwürfe gleichzeitig an die Länderkammer und die Verbände zur Stellungnahme gehen. Die Lobbyisten bekommen also einen Gesetzentwurf in die Finger, bevor ihn ein Bundestagsabgeordneter zu Gesicht bekommen hat. Durch gute Kontakte in die Ministerien sind die Lobbyisten meist noch früher informiert. So gibt es vor dem Gesetzentwurf bereits Arbeits- und Referentenentwürfe.

Diesen Wissensvorsprung machen sich Lobbyisten zunutze. Zum einen können sie frühzeitig Einfluss auf ein entstehendes Gesetz ausüben, zum anderen leiten sie die Entwürfe an die Abgeordneten weiter. Als Gegenleistung bekommen sie Wissen aus dem Parlament oder andere Gefälligkeiten. So schreiben viele Abgeordnete Artikel für die Fachzeitungen der Verbände oder stehen für Veranstaltungen und Gesprächsrunden zur Verfügung.
 
Donnerstag, April 07, 2005
  Von der Politik in die Politikberatung
Jörg-Max Fröhlich verstärkt zukünftig das PR- und Lobbyingteam von LABIUM.INFO Monath&Consultants. Fröhlich managte seit Oktober vergangenen Jahres als Wahlkampfkoordinator der CDU den Wahlkampf von Peter-Harry Carstensen in Schleswig-Holstein. Zuvor arbeitete 54-Jährige unter anderem als Grundsatzreferent und parteipolitischer Pressesprecher von Lothar Späth sowie als Regierungsberater in Thailand.

Die Berliner Agentur machte vor zwei Monaten Schlagzeilen, als sie ihren Namen von Monath&Collegen zu LABIUM.INFO MONATH&CONSULTANTS änderte. Damals wurden auch neue Berater in Berlin und an weiteren Standorten eingestellt und eine Kooperation mit der Kommunikationsagentur project-europein Brüssel vereinbart.
 
Mittwoch, April 06, 2005
  Neue Energie Lobby
Der Bundesverband Neuer Energieanbieter e. V. (BNE) hat einen neuen Geschäftsführer: Robert Busch. Seit dem 1. April 2005 verschafft er den neuen Energieanbietern Gehör für mehr Wettbewerb auf den Energiemärkten. Robert Busch folgt auf Dr. Henning Borchers, der sich nach drei Jahren Verbandstätigkeit wieder dem operativen Geschäft zuwendet.

Buschs Fachwissen im Bereich des Strom- und Gasmarktes rührt aus seiner Tätigkeit als Justiziar bei der ares-energie-direkt GmbH. Später wurde er für die "Task Force Netzzugang" im Bundeswirtschaftsministerium abgeordnet.

Der Berliner Stromhändler ares-energie-direkt GmbH machte Anfang 2002 Schlagzeilen, als er Insolvenz anmeldete und kurz darauf von dem erheblich kleineren Konkurrenten Riva-Energie AG übernommen wurde. Nur einen Monat nach der Übernahme musste auch die Riva Energie AG den Insolvenzantrag stellen.

Robert Busch werden exzellente Kontakte zu Politik und Wirtschaft nachgesagt.
 
Dienstag, April 05, 2005
  Lobbying in den USA
Lobbying für ausländische Interessen ist in den USA nur erlaubt, wenn eine besondere Anmeldung bei der Strafrechtsabteilung des Bundesjustizministeriums in Washington erfolgt ist. Grundlage hierfür ist der "Foreign Agents Registration Act" (FARA). Die "Registration Unit" des Ministeriums hält im Internet alle erforderlichen Formulare zum Download bereit.

Außerhalb Washingtons ist das Gesetz nicht hinreichend bekannt. Das hat zur Folge, dass immer wieder Vertreter ausländischer Interessen Lobbyarbeit leisten, ohne registriert zu sein. Das kann aber fatale Folgen haben, weil ein Verstoß gegen den Foreign Agents Registration Act strafrechtliche Konsequenzen hat.

Hier sei ein Fall der jüngeren Vergangenheit genannt, der das Verhältnis der USA zum Irak betrifft. In Sachen United States of America v. Samir A. Vincent wird ein Iraker, der die USA beeinflussen wollte, mit einer Strafklage wegen eines FARA-Verstosses verfolgt. Er ließ sich angeblich für Versuche vergüten, die Öl-für-humanitäre-Güter-Politik der USA zu beeinflussen, ohne die Anmeldung beim Justizministerium vorgenommen zu haben.

Zu beachten ist, dass FARA nicht das einzige Gesetz ist, welches diese Vorgänge regelt. Auch der Kongress hat umfangreiche Bestimmungen erlassen. Schließlich sind gerade bei Embargostaaten die Bestimmungen des Finanzministeriums sowie bei bestimmten Umständen auch die Ausfuhrkontrollbestimmungen mehrerer Ministerien zu berücksichtigen.

In der umgekehrten Richtung verbieten die USA ihren Bürgern, die Außenpolitik anderer Staaten durch correspondence or intercourse zu beeinflussen, vgl. 18 USC 953. Dieses Verbot ist ebenfalls recht unbekannt, aber strafbewehrt. Vermutlich wird es noch häufiger missachtet als das FARA-Verbot.

Lesen Sie hierzu bitte auch den Beitrag des deutsch-amerikanisches Rechtsanwalts Clemens Kochinke in Washington, FARA Lobby-Verstoß.
 
Montag, April 04, 2005
  Grassroots-Lobbying
Grassroots-Lobbying ist in den USA bekannt geworden und wird immer wieder in Deutschland probiert. Es handelt sich dabei um eine Form der Beeinflussung durch breite Bevölkerungskreise ? den "Graswurzeln". Vor allem über Massenbriefe, Massenfaxe, Telefonate oder neuerdings auch das Internet versuchen die Menschen Lobbying zu betreiben.

Das jüngste Beispiel hierfür ist die "Weltweite Aktion gegen Armut". Damit sollen die Regierungschefs an die Unterzeichnung der Millenniums-Erklärung der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2000 erinnert werden. Es handelt sich dabei um das Versprechen, bis zum Jahr 2015 weltweit die Armut zu reduzieren.

Die "Weltweite Aktion gegen Armut" ist die deutsche Plattform des "Global Call to Action Against Poverty", eine internationale Kampagne, die sich mittlerweile in 60 Ländern für ein Ende der Armut einsetzt. Diese Kooperation von Organisationen, Vereinen, Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften und anderen Gruppierungen ist besonders intensiv in den G7-Ländern USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland aktiv.

Die Bürgerinnen und Bürger werden aufgefordert, über die Internet-Plattform eine E-Postkarte mit den Forderungen der "Weltweiten Aktion gegen Armut" abzuschicken. Es fragt sich allerdings, wie viele das tun werden; Denn nur wenige kennen diese Internet-Seite. Es gibt zwar Werbespots im Fernsehen. Diese sind aber nur sehr kurz. Und wer merkt sich schon die Internetadresse: "www.weltweite-aktion-gegen-armut.de"? Wer noch den Slogan der Spots im Ohr hat: "Wir wollen kein Geld ? Schreib Deinem Regierungschef!" kommt auch nicht weiter. Gibt er nämlich diese Wörter bei Google ein, kommen viele Treffer, nur nicht der gesuchte.
 
Freitag, April 01, 2005
  Neue Lobbyisten-Gesichter
Der Mobilfunk-Anbieter 02 hat seine Hauptstadtrepräsentanz mit zwei neuen Personen besetzt. James Ryan Anderson und Florian König vertreten zukünftig die Interessen der Telefongesellschaft.

Anderson kommt von der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (American Chamber of Commerce) und verantwortete dort als Manager Government Relations die Regierungsbeziehungen.

König ist für Veranstaltungen und Events zuständig. Vor seinem Wechsel arbeitete er als Projektleiter bei der Beate Wedekind GmbH in Berlin.

Beate Wedekind ist die frühere Chefredakteurin der Zeitschrift "Bunte". Die 53-Jährige gründete 1999 ihr eigenes Unternehmen, unterhält aber weiterhin gute Beziehungen zur Axel Springer AG. So organisierte die Event Managerin erst kürzlich die Verleihung der "Goldenen Kamera".
 

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